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Für die dreiundsiebzigjährige Maria Schmidt begann der Dienstagmorgen wie jeder andere. In ihrer gepflegten Wohnung in einem ruhigen Münchner Vorort duftete es nach frisch gebrühtem Kaffee und geröstetem Toast. Maria schätzte Ordnung, Stille und deutsche Pünktlichkeit. Sie hatte ein rechtschaffenes Leben geführt, jeden Euro behutsam zurückgelegt und gehofft, ihren Enkeln ein würdiges Erbe zu hinterlassen.

— Guten Tag, Frau Schmidt? — erklang eine höfliche, geschäftsmäßige Männerstimme aus dem Hörer. — Hier ist der Kundenservice Ihrer Hausverwaltung, Abteilung Gegensprechanlagen. Wir führen derzeit ein planmäßiges Sicherheitsupdate in Ihrem Gebäude durch. Wir müssen Ihr Teilnehmergerät synchronisieren. Sie erhalten in wenigen Augenblicken einen Servicecode auf Ihr Telefon — bitte lesen Sie ihn uns vor, damit wir die Konfiguration aus der Ferne abschließen können.
Maria, ohne jeden Argwohn, blickte auf ihr Mobiltelefon, auf dem tatsächlich eine Ziffernfolge aufgeleuchtet war, und las sie dem „Techniker“ gehorsam vor. Jener bedankte sich verbindlich und legte auf.
Sie hatte noch keinen Schluck des erkaltenden Kaffees genommen, als das Telefon erneut piepte. Eine SMS. Der Text wirkte beunruhigend offiziell:
„Achtung! Ihr Gerät wurde unbefugt zugegriffen. Es besteht der Verdacht betrügerischer Handlungen in Bezug auf Ihre Bankkonten. Kontaktieren Sie umgehend die Sicherheitsabteilung unter folgender Nummer:“…
Das Herz der alten Frau schlug ängstlich auf. In heller Panik wählte sie die angegebene Nummer. Es klingelte nicht lange. Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine strenge, selbstsichere Stimme, die sich als Mitarbeiter der Bundesanstalt für Finanzaufsicht vorstellte.
— Frau Schmidt, die Lage ist äußerst ernst, — sagte der „Beamte“ mit eisiger Gleichgültigkeit. — Wir haben festgestellt, dass auf Ihren Namen eine umfassende Vollmacht zur Verfügung über sämtliche Konten und Vermögenswerte ausgestellt wurde. Darüber hinaus wird versucht, diese Gelder auf Konten von Organisationen zu transferieren, die im Verdacht der Verbrechensfinanzierung stehen. Sollten Sie nicht kooperieren, droht Ihnen eine strafrechtliche Verfolgung wegen Beihilfe.
Das Wort „strafrechtliche Verfolgung“ traf die gesetzestreue Deutsche wie ein Stromschlag. Das Alter, die Furcht vor der Polizei und das Gewicht staatlicher Autorität lähmten ihre Fähigkeit, klar zu denken.
— Was… was soll ich tun? — stammelte sie.
— Sie müssen sofort handeln — und in strengster Vertraulichkeit, — kommandierte die Stimme. — Zu Ihrer eigenen Sicherheit und zur Kommunikation mit den Behörden müssen Sie eine spezielle, gesicherte Anwendung auf Ihrem Telefon installieren. Unser technischer Mitarbeiter wird Ihnen dabei behilflich sein.
Schritt für Schritt, nach Diktat der Betrüger, installierte Maria eine Fernzugriffssoftware. Von diesem Moment an lag der Bildschirm ihres Telefons vollständig in ihrer Hand. Man untersagte ihr jeden Kontakt mit Angehörigen und Nachbarn — unter Berufung auf das „Ermittlungsgeheimnis“.
Die folgenden zwei Wochen gerieten für Maria zu einem wachen Alptraum. Den Anweisungen ihrer Betreuer folgend, die sie rund um die Uhr in der Leitung hielten, begann sie, ihre Konten zu leeren. Zuerst hob sie ihre gesamten langjährigen Ersparnisse bei der örtlichen Sparkasse ab. Damit die Bank die Transaktionen nicht sperrte, hatten die Betrüger sie angewiesen, den Kassiererinnen zu sagen, das Geld werde für eine dringende Wohnungsrenovierung benötigt.
Doch das genügte nicht. Der „Behördenmitarbeiter“ behauptete, auch ihre Immobilie und ihr übriges Vermögen drohten beschlagnahmt zu werden. In einem Zustand tiefer psychologischer Erschöpfung und Manipulation verkaufte Maria überstürzt Wertpapiere, ererbten Familienschmuck und sogar ihren Anteil an einem Grundstück auf dem Land, das ihr verstorbener Mann ihr hinterlassen hatte. Alle Geschäfte wurden in größter Eile abgeschlossen — weit unter Wert.
Jedes Mal, wenn Maria einen weiteren größeren Bargeldbetrag in den Händen hielt, rief man sie an und teilte ihr mit, das Geld müsse zur „vorübergehenden Verwahrung in einem staatlichen Sonderdepot“ übergeben werden.

— Unser Kurier wird zu Ihnen kommen, — instruierte die Stimme im Hörer. — Damit Sie sicher sein können, dass es sich um unseren Mitarbeiter handelt, wird er Ihnen das Codewort nennen: „Grüne Eiche“. Erst dann übergeben Sie das Paket mit dem Geld.
Maria trat gehorsam auf den stillen Parkplatz vor dem Supermarkt oder an die Ecke der Nachbarstraße. Ein junger Mann in tief ins Gesicht gezogener Kapuze trat auf sie zu, murmelte leise das ersehnte Wort: „Grüne Eiche“, nahm den prallen Umschlag entgegen und verschwand im Dunkel der Stadt. Maria glaubte, ihr Leben und ihren guten Ruf zu retten.
Insgesamt gab es mehrere solcher Begegnungen. Die letzte Übergabe fand an einem Freitagabend statt.
Und am Montag war das Telefon des „Finanzbeauftragten“ nicht mehr erreichbar. Die installierte Anwendung ließ sich nicht mehr öffnen.
Maria saß am Küchentisch — eben jenem, an dem sie vor zwei Wochen noch Kaffee getrunken hatte. Vor ihr lagen leere Dokumentenmappen. In der Stille der leeren Wohnung sickerte die Erkenntnis des Geschehenen langsam in sie ein, schwer wie Blei.
Sie hatte alles verloren. Die Ersparnisse eines ganzen Lebens, die Erinnerung an ihren Mann, das Vertrauen in den nächsten Tag. Der Gesamtschaden, den die Polizei später protokollieren würde, belief sich auf mehr als 216.000 Euro.
Maria Schmidt blickte auf die Gegensprechanlage neben der Tür. Sie schwieg. Aber der Preis dieses Schweigens war viel zu hoch gewesen.
HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Aus Gründen des Datenschutzes wurden alle Namen, Orte und spezifischen Details verändert. Die Handlung basiert jedoch auf einem realen Fall unserer Agentur.Dieser Artikel soll das Bewusstsein für Betrugsmethoden schärfen, ersetzt aber keine professionelle Sicherheitsberatung.