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BITS-H Nr. 2026-271984-1132 · Version 1.1 · 20.07.2026
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor zwei Schwachstellen in WordPress, die in Kombination einen nicht-authentifizierten Remote Code Execution (RCE) ermöglichen. Die Schwachstellenkette wurde als „wp2shell“ bezeichnet und weist einen CVSS-Score von 9,8 / 10 auf. Proof-of-Concepts sind öffentlich verfügbar, erste Ausnutzungen wurden bereits gemeldet. Betroffene Betreiber müssen unverzüglich handeln.Kritikalität: 3 / OrangeTLP: CLEARCVE-2026-60137 · CVE-2026-63030
Die nachfolgende Zusammenfassung gibt einen strukturierten Überblick über alle relevanten Eckdaten dieser Sicherheitswarnung – von den betroffenen Versionen bis zu den behebenden Updates. Alle Informationen stammen aus dem offiziellen BSI-Bericht BITS-H Nr. 2026-271984-1132.
Versionen älter als 6.8 sind nicht betroffen.
Aktive Ausnutzung wurde bestätigt. Proof-of-Concepts sind öffentlich verfügbar. Die Ausnutzung erfordert keine Authentifizierung.
Patch installieren + Workaround (WAF) einrichten
Am 17.07.2026 veröffentlichte WordPress ein Sicherheitsupdate, das zwei Schwachstellen im Kernsystem behebt. In Kombination ermöglichen diese einem nicht-authentifizierten Angreifer die Ausführung beliebigen Codes auf dem betroffenen Server – ohne jegliche Anmeldung. Die Schwachstellenkette wurde von Sicherheitsforschern als „wp2shell“ bezeichnet.
Fehlerhafte Sanitisierung des Parameters author__not_in bei WP_Query-Abfragen. Ermöglicht SQL-Injection-Angriffe, über die Angreifer Datenbankinhalte auslesen können – einschließlich Passwort-Hashes der Tabelle wp_users.
Schwachstelle in der WordPress REST API, die in Kombination mit CVE-2026-60137 die vollständige Remote Code Execution ohne Authentifizierung ermöglicht. Der Angriff nutzt den Batch-Endpoint /wp-json/batch/v1.
Das Unternehmen Searchlight Cyber fand die Schwachstelle mithilfe von OpenAI GPT-5.6 Sol Ultra. Technische Details und die verwendeten KI-Prompts wurden im Blog des Unternehmens veröffentlicht. Ein Proof-of-Concept wurde auf GitHub veröffentlicht.
Das BSI stuft die Schwachstellenkette als sehr kritisch ein. Die Existenz öffentlicher Proof-of-Concepts und die Einfachheit der Ausnutzung ohne Authentifizierung erhöhen das Risiko massiv. Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung der Patches wurden erste PoCs im Internet verbreitet – ein deutliches Zeichen für die gesunkene „Time-to-Exploit“.
Kombinierter Score der wp2shell-Schwachstellenkette (CVSS 3.1)
Keine Anmeldung erforderlich – Angriffe sind vollständig anonym möglich
Zwei Schwachstellen bilden zusammen die kritische Angriffskette
Öffentliche Exploits waren bereits Stunden nach Patch-Veröffentlichung verfügbar
WordPress-Betreiber, deren Systeme am Tag der Veröffentlichung (17.07.2026) nicht automatisch aktualisiert wurden, sollten diese umgehend auf eine bereits stattgefundene Kompromittierung prüfen.
Nicht alle WordPress-Versionen sind in gleichem Maße betroffen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Versionen von welcher Schwachstelle betroffen sind und welche Update-Version die Lücke schließt. Betreiber sollten zunächst prüfen, welche Version auf ihrem System läuft.
| Version | Betroffen von | Behebende Version | Dringlichkeit |
| WordPress 6.8.0 – 6.8.5 | CVE-2026-60137 (nur) | 6.8.6 | Hoch |
| WordPress 6.9.0 – 6.9.4 | CVE-2026-60137 + CVE-2026-63030 | 6.9.5 | Kritisch |
| WordPress 7.0.0 – 7.0.1 | CVE-2026-60137 + CVE-2026-63030 | 7.0.2 | Kritisch |
| WordPress 7.1 beta | CVE-2026-60137 + CVE-2026-63030 | 7.1 beta2 | Kritisch |
| WordPress < 6.8 | Nicht betroffen | – | – |
Der eingeschränkte betroffene Versionsbereich sowie standardmäßig aktivierte automatische Updates verringern die Wahrscheinlichkeit einer sehr breiten Angriffswelle. Dennoch können verwundbare WordPress-Instanzen kurz- und mittelfristig Ziel automatisierter Angriffe werden.
Das BSI empfiehlt, unverzüglich eine der abgesicherten Versionen zu installieren. Für Betreiber, die automatische Updates deaktiviert haben oder bei denen diese nicht funktionieren (z. B. aufgrund von Dateiberechtigungen), ist eine manuelle Installation zwingend erforderlich.
Automatische Updates aktivieren oder manuell auf Version 6.8.6 / 6.9.5 / 7.0.2 / 7.1 beta2 aktualisieren. Vorher Backup erstellen.
Web Application Firewall einrichten und Aufrufe auf /wp-json/batch/v1 sowie Parameter ?rest_route=/batch/v1 blockieren.
Plugin zur Blockierung anonymer Zugriffe auf die WordPress REST API installieren, um Angriffe ohne Authentifizierung zu verhindern.
Mit dem Searchlight Cyber Webseiten-Checker unter wp2shell.com testen, ob die eigene Installation betroffen ist.
Da erste Ausnutzungen bereits gemeldet wurden, sollten alle Betreiber – insbesondere solche ohne automatische Updates am 17.07.2026 – ihre Systeme auf Anzeichen einer Kompromittierung untersuchen. Die folgende Checkliste basiert auf aktuellen Empfehlungen von Sicherheitsexperten.
/wp-json/batch/v1 – erhöhte Anfragezahlen sind verdächtig?rest_route=/batch/v1wp2_* or w2s_*@wp2shell.invalid or @wp2shell.shellcode.loloembed_cache and customize_changesetBei Verdacht auf Kompromittierung: System sofort isolieren, Beweissicherung einleiten, alle aktiven Sessions beenden und alle Nutzerpasswörter zurücksetzen. Passwort-Hashes können über die SQL-Injection ausgelesen und offline geknackt worden sein.
Im Falle einer tatsächlichen oder vermuteten Kompromittierung müssen alle betroffenen Zugangsdaten umgehend geändert werden. Die SQL-Injection-Schwachstelle ermöglicht Angreifern den Zugriff auf alle Passwort-Hashes der wp_users-Tabelle, die anschließend offline geknackt werden können.
Das Passwort des WordPress-Benutzerkontos mit Administratorrechten sofort ändern. Starkes, eindeutiges Passwort verwenden.
Passwörter aller mit der WordPress-Instanz verknüpften E-Mail-Konten ändern, insbesondere Admin-E-Mail-Adressen.
Alle API-Keys, Token und Zugangsdaten von Plugins und Erweiterungen (z. B. Online-Shop, Payment-Dienste, CDN) zurücksetzen.
Passwörter, die auch bei anderen Diensten genutzt wurden, müssen ebenfalls bei den jeweiligen Anbietern geändert werden.
Über die unmittelbaren Schutzmaßnahmen hinaus empfiehlt das BSI langfristige Maßnahmen, um WordPress-Installationen dauerhaft gegen ähnliche Angriffe zu härten und die Reaktionsfähigkeit bei künftigen Sicherheitsvorfällen zu verbessern.
Prüfen, ob automatische Updates aktiviert sind und technisch funktionieren. Bei deaktivierten Updates einen Prozess etablieren, der neue Sicherheitsupdates zeitnah einspielt.
Betreiber wichtiger Webseiten sollten grundsätzlich eine WAF einsetzen, um Angriffe kurzfristig abzuwehren – auch bei noch unbekannten Schwachstellen (Zero-Day).
Log-Dateien und Systemaktivitäten regelmäßig auswerten. Auffällige Muster wie gehäufte API-Aufrufe oder neue Admin-Konten frühzeitig erkennen.
Regelmäßige, getrennt gespeicherte Backups sicherstellen und einen Incident-Response-Plan für den Kompromittierungsfall vorhalten.
Täglich aktuelle Hinweise: cert-bund.de
Dieses Dokument ist als TLP:CLEAR eingestuft und darf ohne Einschränkungen weitergegeben werden – abgesehen von urheberrechtlichen Aspekten.
TLP-ingestufte Dokumente (außer CLEAR) dürfen nicht auf Plattformen Dritter (VirusTotal, Übersetzungsdienste etc.) hochgeladen werden.
Versionsverlauf: 1.0 – 18.07.2026 | 1.1 – 20.07.2026 (Update mit PoC-Berichten und erweiterten Kompromittierungsindikatoren)